Nachstehende Texte wurden zwei Zeitungsausschnitten entnommen.
In blauer Schrift habe ich anhand meiner Ahnentafeln recherchierte Personendaten hinzugefügt.
Woher kommt der Name „Kloster“.

In der Hamburger Straße ist ein Hof, der allgemein den Namen „Kloster“ trägt. Die Bewohner nennt man nicht anders als die Klosterleute. Unwillkürlich drängt sich hier die Frage auf:

War es denn früher ein Kloster? Das war nicht der Fall.
Der Hof der Herrn Friedrich Timmermann, um den es sich hier handelt, war früher im Besitz der Familie Wulf gewesen.

Nach einer Inschrift in dem Querbalken über der großen Tür des alten Klosters ist dasselbe am 27. August 1801 erbaut.
Das Haus war ein Strohdachhaus, dessen „Grotdör“ zur Straße hin führte.
In den 40er und 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts wohnte hier ein Pastor Wulf mit mehreren Schwestern und Tanten.
Auf die vielen weiblichen Bewohner dürfte der Name „Kloster“ zurückzuführen sein. Der Pastor wurde allgemein „Klostervogt“ genannt. Hier hat er auch ein Kirchenlied gedichtet.

Unter den Bewohnern und Besitzern des damaligen Klosters lebte eine Tante Friederika (Wulf) , die dem Lotteriespiel verfallen war. Nachdem das Silberzeug und sonstige Kostbarkeiten verspielt waren, kam ein Stück Land nach dem anderen an die Reihe, bis zuletzt auch der Hausbrief der Spielwut zum Opfer fiel.
Da sprang
(Johann) Hinrich Timmermann (02.04.1827-15.04.1907), dessen Eltern den damaligen Lindenhof besaßen, in die Bresche.
Im Jahr 1853 löste er den Hausbrief wieder ein und erwarb das Kloster. Die Geschwister Wulf übernahm er mit und pflegte sie bis zum Tode.

1903 resp. 1907 starben die alten Timmermanns (Eheleute Johann Friedrich Timmermann und Maria Elsabe Suhl) und Friedrich Timmermann, allgemein bekannt unter dem Namen „Klosterfriech“, übernahm den Hof.
Im Jahre 1909 wurde der alte Bau bis auf den seitlichen Anbau, der heute noch besteht, abgerissen und es entstand das heutige Gewese.
Der Hof marschiert heute mit an erster Stelle.
Zwar haben sich im Laufe des Jahrhunderts die Bewohner verändert, der Name „Kloster“ ist geblieben und wird auch wohl die Bewohner überdauern.

Ergänzung zum o.a. Artikel.

Wie entstand der Name „Kloster“?

Unter dieser Ueberschrift veröffentlichten wir in der letzten Sonnabend-Ausgabe einen Artikel, der lebhaften Widerhall gefunden hat. So wurden uns, da keine Chroniken darüber bestehen, von noch lebenden Verwandten der Klosterinsassen einigen Aufklärungen gegeben, die wir dankbar annahmen. Es soll ja der Zweck dieser und ähnlicher Artikel sein, der Nachwelt aus Kaltenkirchens früheren Tagen etwas Gedrucktes zu hinterlassen. Dankbar sind wir jedem und jeder, die uns alte Urkunden und Schriftstücke zu diesem Zwecke zur Verfügung stellen, oder uns aus der alten Zeit erzählen.

Doch nun zum Kloster. Von alten Bekannten wird uns darüber berichtet:

Um 1780 herum kaufte der hier im Amt befindliche Pastor Heuer (Nicolas Eberhard Hoyer, 11.02.1731-19.12.1795) für seine Frau (Henriette Catharina Elisabeth Wendisch) und drei Töchter (Anna Christina Maria, 12.01.1767-09.05.1833, Ida Friederike Hedwig , geb. 15. 6.1768 und Sophia Margaretha Elisabeth Hoyer, geb. 7.12. 1771) sowie deren Erben einen Ruh- und Witwensitz von einem Steen. Wahrscheinlich war es der Groß- oder Urgroßvater von dem jetzigen Schlossermeister Marg Steen.
Nach dem Tode des Pastors Heuer
bezog seine Frau das sogenannte Kloster. Später soll eine Tochter, eine verwitwete Frau Hinselmann das Kloster bezogen haben.
Von den drei Töchtern des Pastors Heuer heiratete die älteste den Landmann und Brauereibesitzer J.F. Wulf
(Jochim Friedrich Wulf, 25.06.1760-29.04.1829) hierselbst. Zwei von deren Kindern , die verunehelicht waren, fanden später hier auch Obdach in diesem Hause.
Die Tochter Friederike war mehrere Jahre durch Krankheit an das Bett gefesselt. Sie war eine leidenschaftliche Spielerin in der Lotterie, wobei auch ihr schönes Leinenzeug, Silber- und Schmucksachen verloren gingen. Die wertvollsten Sachen wurden später von ihrem Bruder, der von seinen Eltern den Besitz erbte, wieder eingelöst. So wurden verschieden Sachen erhalten und befinden sich heute noch im Besitz der Familie Wulf.

Der Sohn war ein Student der Theologie, nicht Pastor.

Eine andere Tante (Henriette Catharina Maria Wulf, 02.09.1790-30.01.1864) heiratete einen Landmann (Hans-Joachim)Timmermann (26.10.1787-23.04.1841), den Besitzer des Hotels „Zur Linde“ bei der jetzigen Apotheke. Aus dieser Ehe entsprossen sechs Söhne (Christian, Jochim Friedrich, Nicolas, Hans , Johann Hinrich, und Andreas) und eine Tochter (2 Töchter: Christina Sophia Magdalena und Christina Louise Johanna). Von den Söhnen lebt noch der jüngste, der 95-jährige Christian Timmermann, welcher wohl Kaltenkirchen ältester Bewohner ist. Als diese Frau Timmermann Witwe wurde, zog sie auch nach dem Kloster und so ist auch wohl ihr Sohn (Johann) Hinrich (02.04.1827-15.04.1907) später der Erbe des Besitzes geworden, der Vater von den jetzigen Geschwistern (Eduard) Friedrich (*04 Feb 1864-28.4.1945) und Alwine Christine (*28.07.1867-06.12.1940) Timmermann. Der Besitz an Land, der zu dem Kloster gehört haben soll, ist nur klein gewesen und noch heute vorhanden. Durch Fleiß und Strebsamkeit hat der jetzige Besitzer (Eduard Friedrich), unter dem Namen „Klosterfriech“ bekannt, denselben bedeutend vergrößert.

Die zweite Tochter (Ida Friederike Hedwig Hoyer, geb. 15.6.1768) von Pastor Heuer heiratete nach Neumünster und zwar einen Brauereibesitzer (Hans) Hinselmann (geb.4.9.1763).
In späteren Jahren soll noch ein älterer Hinselmann seinen Lebensabend im Kloster verlebt haben.
Die dritte Tochter von Heuer
(Sophia Margaretha Elisabeth Hoyer, geb. 7.12.1771) wurde an einen Pastor Andresen (Thomas Christian Andresen, geb. 15 Apr 1769) in Leezen verheiratet.

So ist das Kloster vielen alten Leuten ein Ruhesitz geworden, wo sie ihren Lebensabend verleben konnten. Manch behagliches Stündchen ist dort verlebt worden. Auch auf die jetzigen Besitzer ist diese Ruhe übergegangen und wer einen Abend im Kloster zugebracht hat, weiß dass alte Gemütlichkeit, verbunden mit Friede und Eintracht dort zu Hause ist.

zurück